von Leviathan

Mit dem OVA (Original Video Animation) Last Order: Final Fantasy VII erweiterte Square Enix das Final-Fantasy-VII-Universum um ein Anime. Erzählt wird keine neue Geschichte, sondern die leidlich bekannten Ereignisse aus Nibelheim, fünf Jahre vor Final Fantasy VII, mit einigen Abweichungen vom Original. In Kontext der Compilation ist Last Order als eine “kleine Erweiterung” (oder auch als “tie-in”) zu betrachten, ähnlich Lost Episode. Die Zugehörigkeit zum Kanon ist umstritten.
Der Anime läuft etwa 25 Minuten und wurde von Studio Madhouse (u.a. “Tokyo Godfathers”) produziert. Tetsuya Nomura von Square Enix führte die Aufsicht über die Produktion. Teilweise basiert er auf Werbe-Trailer des Compilation-Titels Before Crisis, bzw. gab die Beliebtheit dieser Filmchen den Anstoß für das Projekt. Es handelt sich – wie die Schreibweise schon andeutet – um ein Prequel zu Final Fantasy VII. Erzählt wird eine Episode aus dem ursprünglichen PSOne-Spiel. Im Mittelpunkt der Handlung steht der SOLDAT-Kämpfer Zack. In zwei parallel verlaufenden Handlungssträngen verfolgt der Zuschauer dessen Auseinandersetzung mit Sephiroth im Mako-Reaktor von Nibelheim (fünf Jahre vor Final Fantasy VII), die schließlich zur Gefangennahme der beiden führte, sowie Zacks und Clouds Flucht aus Nibelheim (kurz vor Beginn der Handlung von Final Fantasy VII). Eingerahmt wird dies durch die Erinnerungen des Turk-Agenten Tseng, der den Nibelheim-Vorfall reflektiert.
Der Anime ist Bestandteil der umfangreichen Extras, die der “Ultimate Edition” (besser bekannt als “Advent Pieces”) von Advent Children beiliegen. Diese erschien im September 2005 in Japan zeitgleich mit der normalen Version von Advent Children in einer limitierten Stückzahl von 77.777 zum Preis von 29.500 YEN (225 EURO). Die Ultimate Edition erschien NICHT außerhalb Japans, so dass die Verbreitung des Animes zunächst auf Japan und wenige Importeure im Westen beschränkt blieb.
Entgegen vorheriger Aussagen, Last Order bleibe Japan-exklusiv, veröffentlichte Square Enix den Anime überraschend als Bestandteil des “Limited Edition Collector’s Set” in Nordamerika. Dieses Set erschien am 20. Februar 2007 und enthält ein umfangreiches Bonusmaterial, zu dem auch eine untertitelte Fassung von Last Order gehört. Es gab keine Synchronisation.
Ob dieses Set – und damit auch Last Order – hierzulande erscheinen wird, ist ungewiss und eher unwahrscheinlich. Teilweise findet bzw. fand man den Anime mit Untertiteln hierzulande auf Kauf-DVDs des Filmes Final Fantasy VII: Advent Children. Dabei handelt es sich jedoch um Raubkopien, von deren Kauf abzuraten ist. Offiziell ist Last Order nicht in Deutschland erschienen.
Der Anime ist gut gemacht, wenn auch nur schwer verständlich, sollte man das zugrundeliegende Spiel und dessen Handlung nicht kennen. Für Diskussionen werden sicher noch die teils erheblichen Abweichungen von der ursprünglichen Geschichte, wie sie in Final Fantasy VII erzählt wurde, sorgen. Während manche diese Veränderungen als neuen Blickwinkel auf die alte Story begrüßen, können sich andere mit dieser “umgeschriebenen Geschichte” nicht anfreunden.
Für Diskussionen unter Fans sorgt auch immer wieder die Frage, ob man Last Order zur Compilation of Final Fantasy VII und damit zum Kanon zählen sollte. Viele verneinen dies, da der Anime nicht von Square Enix produziert wurde, nicht mehr Teil der Blu-ray-Fassung Advent Children Complete ist, außerdem erheblich vom Original abweicht und diese Abweichungen darüberhinaus nicht im später veröffentlichten Crisis Core übernommen wurden. (Crisis Core behandelt ebenfalls die Ereignisse in Nibelheim und bringt seinerseits neue Elemente mit, fügt sich aber insgesamt besser in die ursprüngliche Geschichte ein. Eine genauere Diskussion des Nibelheim-Vorfalls gibt es hier.) Ähnlich wie Maiden of the Planet wird es als eine Art professionelle “Fan-Fiction” angesehen, das den Segen von Square Enix bekommen hat.
Während dies im Falle von Maiden plausibel erscheint, ist Last Order unserer Meinung nach doch mehr als ein quasi-offizielles Fan-Werk. Dafür spricht neben dem hohen Aufwand der Herstellung vor allem die Tatsache, dass der Anime in Quellentexten wie dem “10th Anniversary Ultimania” als offizielle Erweiterung der Final-Fantasy-VII-Welt Erwähnung findet. Auf CetraConnection halten wir es so, dass wir Last Order (und genauso Lost Episode) als “Nebenprojekte” bzw. “kleine Erweiterungen” bezeichnen, die strenggenommen nicht die Compilation of Final Fantasy VII ausmachen, aber dennoch lose dazugehören. (Ja, das ist sehr schwammig, aber eine relativ verbreitete Ansicht, die unserer Meinung nach die beste Klassifizierung für die verschiedenen FFVII-Ableger darstellt, die von Square Enix so uneindeutig behandelt werden.)
Insgesamt 99 Screenshots aus dem Anime:
Für Diskussionen haben die teils heftigen Abweichungen vom Original gesorgt. Kurios ist, dass einige dieser Änderungen wiederum in Crisis Core korrigiert wurden; indes wurden in Crisis Core Dinge hinzugefügt, die weder im Originalspiel, noch in Last Order vorkamen. Manchmal findet man als Erklärung für die Darstellung des Nibelheim-Vorfalls in Last Order, dies sei die (alternative) Sichtweise ShinRas auf die Dinge, wie sie in den Akten des Vorfalls festgehalten wurden. Da Tseng, dessen Erinnerungen bzw. Gedanken die Rahmenhandlung ausmachen, nicht jedes Detail der Geschichte selbst erlebt hat, sondern auf die Aufzeichnungen angewiesen ist, stellt er sich einzelne Aspekte notwendigerweise fälschlich vor.
Hier eine Auflistung der Änderungen in Last Order im Vergleich zu Final Fantasy VII:
CetraConnection.de ist DIE deutschsprachige Quelle für die Compilation of Final Fantasy VII – bestehend aus den Titeln Advent Children, Before Crisis, Crisis Core, Dirge of Cerberus – und natürlich auch Final Fantasy VII selbst, sowie News aus dem Square Enix Universum und eine Sammelecke von Artikeln über andere J-RPGs. Erfahrt mehr unter Wir über Uns oder Geschichte der CetraConnection.
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